Die Römer in Göggingen

Roemer-GeirhosDr. Sebastian Gairhos, aufgenommen von Toni Resch

RoemerGrab Roemer-Spangen

linkes Bild: Spätrömischer Grabfund aus der Zeit um 400 n.Chr. Fundort: Gögginger Straße beim Bürgerbräu. Aufnahme: Stadt Augsburg

rechtes Bild: Bronzebeschläge eines spätrömischen Militärgürtels (4. Jh. nach Christus). Fundort: Bayerstraße. Aufnahme: Stadt Augsburg

Sebastian Gairhos beim Gögginger Geschichtskreis am 17.3.2015

Die Römer in Göggingen

Der Archivraum des Geschichtskreises war wieder voll besetzt:

 

Der Leiter der Augsburger Stadtarchäologie Sebastian Gairhos berichtete über Gögginger Frühgeschichte aus dem Blick auf die Römerzeit bis zum 5. Jahrhundert n.Chr.

„Jedes Jahr verdichtet sich aufgrund von aktuellen Grabungsfunden unser Bild über die Frühzeit in Augsburg“, bestätigte Gairhos die Erfolge der Daueraufgabe Archäologie. Dass  Augsburg mit 70 Hektar Siedlungsgröße und bis zu 15.000 Einwohnern die weitaus größte Römersiedlung in Bayern war, sei mittlerweile bekannt. Auch erscheine es nachvollziehbar, dass die fruchtbare Lößhochfläche zwischen Lech und Wertach den Hauptteil der landwirtschaftlichen Versorgung mit Siedlungen am Rande aufnehmen musste. Lebensader des römischen Alltagslebens war weniger die bekannte Via Claudia sondern vielmehr der Römerkanal, der etwa 35km flußaufwärts bei Großkitzighofen von der Singold abzweigte und bis in die Gegend von Heilig-Kreuz in die Römerstadt führte. Mit einer zuverlässigen Wasserführung von gut 1000 Litern pro Sekunde war das Wasser als Brauchwasser und Treibmittel gut geeignet und diente auch als Viehtränke. Das Wasser für Lebensmittel wurde aus Brunnen gewonnen, da bereits damals die hygienischen Erkenntnisse Oberflächenwasser als minderwertig einschätzten. Wegen der geografischen Zwangslage zwischen den unberechenbaren Gebirgsflüssen musste die Singold, die damals mehr Wasser führte, eine frühzeitliche Siedlungsachse bilden. Bemerkenswert sei der Lebensstandard gewesen: Atlantikaustern, Wein aus Rhodos Olivenöl und bunte importierte Glasgefäße zeugen vom Leben der reichen Oberschicht.. Der Singoldkanal war auch die frühe „Mühlenstraße“ – das Handwerk und die Nahversorgung der Provinzhauptstadt verlangten ein ausgeklügeltes System, das die Römer mit groß angelegten Gutshöfen gut organisiert hatten.

Mit neuen Grabungserkenntnissen aus der Ansiedlung Premium Aerotec und dem Stadionbau oder bei Hosokawa-Alpine und beiderseits der Gögginger Straße sei der Verlauf von Kanal und Besiedlung immer deutlicher erkennbar, wenn auch Stichkanäle, Verlegungen und laufende Reparaturen die Vorstellung einer statischen Einrichtung über 400 Jahre nicht vermuten lassen. Man dürfe annehmen, dass alle 40 Jahre grundlegende Reparaturen und Umbauten nötig waren, das zeigten geologische Feinuntersuchungen mit Altgerinneabschnitten und Ableitungen, deren zeitliche Einordnung nur annähernd möglich sei.

Gairhos berichtete, dass mit der Verlegung des Archäologie-Magazins in das AKS-Gelände von den über 1000 Steindenkmälern ein weitaus höherer Anteil der Öffentlichkeit zugänglich werde. „Augsburg hat um ein 20-faches mehr zu bieten als andere Römerplätze, die aber mehr Wind um ihre Funde machen“, kündigte Gairhos auch „Werkstattführungen“ an. Man müsse festhalten, dass das römische Reich von Schottland bis zum Tigris reichte, Raetien bildete eine Provinz mit Augsburg als Zentrum.

Gairhos sagte zu, am 13. Mai mit dem zweiten Teil der Ausführungen die Erkenntnisse über die Römerzeit in Göggingen mit neuen Bildern zu vertiefen.

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