Die Grafen Seyssel’d Aix

Sie dienten als Generäle und hohe Beamte dem Kurfürstentum und dem Königreich Baiern

 

1-Seyssel Wappen-k 2-Seyssel 2015-k
3-Seyssel Burg Sejeur 2015-k  
4-Seyssel Schloss Bourdeau 2015-k 5-Seyssel Palais Kaulbachstrasse-k

                                      

Die Grafen Seyssel´d Aix  Eine der ältesten Adelsfamilien Savoyens hat einen engen Bezug zu Göggingen. Das Münchner Palais Seyssel beherbergte den späteren Papst Pius XII.

                                         Von Heinz Münzenrieder

 

Göggingen  Er war in Göggingen beliebt und er war auch recht großzügig. Für die Evangelische Dreifaltigkeitskirche spendierte er anlässlich deren Weihe im Jahre 1912 das silberne Taufgeschirr und auch für den örtlichen Veteranenverein hatte er viel übrig. Es geht um Edgar Graf Seyssel d´Aix – wohlbestallter Kämmereibeamter am königlichen Hof zu München -, der um 1900 das herrliche Schlösschen mit dem damals weitläufigen Park am Klausenberg erwarb. 1939 verstarb er und die Gögginger ehrten ihn sogar durch eine Straßenbenennung. Beinahe filmreif ist die Seyssel´sche Familiengeschichte: Alles hat seinen Ursprung im gleich hinter Genf gelegenen idyllisch-verschlafenen französischen Rhonestädtchen Seyssel.

Dort ist zwar nur mehr der Name der Seyssel-Dynastie – deren Wurzeln bis auf die Zeit von Karl dem Großen zurückgehen und die über Hunderte von Jahren engste Beziehungen zum savoy´schen Herrscherhaus hatte – erhalten geblieben. Vor den Toren des Seyssel benachbarten Thermal-Badeorts Aix les Bains – schön am Lac de Bourget gelegen – erinnern aber noch ein herrschaftliches Anwesen und respektable Reste einer mittelalterlichen Burganlage an dieses uralte Adelsgeschlecht. Die Seyssels selbst haben Savoyen längst verlassen. Einzelne Nachkommen leben heute in Italien und Spanien. Und jetzt kommt das Kurfürstentum Baiern ins Spiel: Anfangs des 18. Jahrhunderts wanderte Jean Claude – er nannte sich nach dem Ort seiner Herkunft Seyssel d´Aix – dorthin aus.

 

                              Das Münchner Palais Seyssel ist heute Sitz

                                     des Französischen Kulturinstituts                

 

Er war eines von zehn Kindern und er nahm – da er wohl ansonsten keine ihm entsprechende Fortkommensmöglichkeit gehabt hätte – sein Schicksal selbst in die Hand. Er verließ die angestammte Heimat und diente bald als Kommandeur im bairischen Militär. Schon seine unmittelbaren Nachfahren machten dann im Staatsdienst steil Karriere. Sein Sohn Maximilian Claudius war bereits kurfürstlicher Kämmerer und General. Dessen Nachkömmling Maximilian brachte es zum königlich-bairischen Generalleutnant. Und Maximilians Sohn Edwin – er übte das hohe Amt eines königlichen Kämmerers aus – erwarb 1874 das nach ihm benannte Palais Seyssel d´Aix an der Münchner Kaulbachstraße, in dem 1868 Sohn Edgar das Licht der Welt erblickte.

 Heute ist dort das Französische Kulturinstitut beheimatet. In ihm residierte  1922 – 1925 der Apostolische Nuntius Kardinal Eugenio Pacelli, der spätere Papst Pius XII. Und der Herr Heilige Vater in spe ließ es sich im gräflichen Hause recht gut gehen. Dann schließt sich der Kreis: Edgar Graf Seyssel d´Aix verlässt das elterliche Münchner Palais und zieht nach Göggingen ins zum Verkauf stehende  Schlösschen am Klausenberg. Er ehelichte 1909 Gertrud Freundlich, die später von den Nazis als „Halbjüdin“ verunglimpft wird. Glücklicherweise konnte sie ihre Deportation ins KZ Theresienstadt überleben. Sie verstarb 1965. Die gemeinsame Tochter Comtess Gabriele war dann bis 1981 die Hausherrin im historischen Anwesen am mittleren Klausenberg Und heute dient das Göggingen zierende Palais immer noch Seyssel´schen Nachfahren als Domizil.

 

Bilder:

Wappen:

Das uralte Wappen der savoy´schen Adelsdynastie Seyssel.

Foto: Archives Municipal Aix les Bains

Ort Seyssel:

Idyllisch und ein wenig verschlafen: Das Rhonestädtchen Seyssel. Der Ursitz der Seyssels.

Foto: Heinz Münzenrieder

Seyssel´sche Liegenschaften:

Waren ehedem Seyssel´sche Domizile (v.l.n.r.): Burg Sejeur, von der nur mehr steinerne Zeugen vorhanden sind und Schloss Bourdeau (beide bei Aix les Bains) sowie das heute noch existierende Münchner Palais Seyssel (Archivbild 1920er Jahre).

Fotos: Walter Schließleder

 

Info: Der Autor des Berichts und der mit der Geschichte der gräflichen Familie Seyssel vertraute Walter Schließleder – dessen Großmutter im Hause Seyssel als Erzieherin tätig war – unternahmen eine sommerliche Reise nach Seyssel /Haute Savoie und wandelten dort auf den historischen Spuren der Seyssel.      

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