Leben und Wirken des bildenden Künstlers Ernst Steinacker (1919 – 2008) – Frau Dr. Adelheid Riolini-Unger stellt den Künstler vor

steinacker

Als abschließende Veranstaltung zu einer schon im vergangenen Juni erfolgten gemeinsamen Exkursion des Gögginger Geschichtskreises in die Heimatregion des Künstlers Ernst Steinacker hielt Frau Dr. Adelheid Riolini-Unger am 15. 10. einen Lichtbildervortrag im Archivraum. Dabei wurden noch einmal die Stationen dieses Bildhauers und Malers ergänzend gewürdigt. Anlass zu der Beschäftigung mit Steinacker gab seine nahe der Burgfriedensgrenze zwischen Augsburg und Göggingen stehende Bronzeskulptur eines Engels, die im Jahre 1980 von dem damaligen Grundstücksinhaber der Firma Seil-Baur, Herrn Johann Baur, gestiftet worden war.

Steinacker, ein gebürtiger Wemdinger, lebte und arbeitete in seiner Heimatstadt bis zu seinem 65. Lebensjahr in Holz, Stein, Stein-(Beton-)guss und Bronze. Bei seinen Figuren reduzierte er oft den menschlichen Körper auf Kopf und Antlitz. Bukolische Themen, Paare und Liebespaare, der Mensch im kosmischen Raum, waren seine beliebten Themen. In seinen späteren Lebensjahren wandte er sich auch der Malerei in leuchtenden Farben zu. Steinacker befasste sich zeitlebens mit dem Thema des Menschenbildes und der Sehnsucht nach dem Schönen. Als religiöser Mensch zählten Engel- und Heiligenfiguren, vor allem die Heiligen seiner Heimat, Willibald und Walburga, zu den bevorzugten Themenbereichen. Höhepunkt seines Schaffens war der Gemäldezyklus „Freude der Auferstehung“, der heute im Kloster Heidenheim am Hahnenkamm ausgestellt ist.

Noch mit 65 Jahren erwarb Steinacker die ehemalige Stauferburg Spielberg bei Gnotzheim, die er zusammen mit seiner Familie vorbildlich restaurierte und für die er den Denkmalspreis erhielt. Viele seiner Werke stehen an unterschiedlichen Orten Süd- und Westdeutschlands, so z. B. auch der allen Augsburgern bekannte Gänseliesel-Brunnen im Mettlochgässchen. Viele seiner Kunstwerke, sowohl Skulpturen aller Art wie auch Malereien, stehen heute in einem zum „KunstMuseum Donau-Ries“ umfunktionierten ehemaligen Möbelhaus in Wemding und können dort besichtigt werden.

Der gut besuchte Vortrag löste unter den Anwesenden, von denen manche den Künstler noch persönlich gekannt hatten, eine rege Diskussion und manche ergänzenden Beiträge aus.

Die Grafen Seyssel’d Aix

Sie dienten als Generäle und hohe Beamte dem Kurfürstentum und dem Königreich Baiern

 

1-Seyssel Wappen-k 2-Seyssel 2015-k
3-Seyssel Burg Sejeur 2015-k  
4-Seyssel Schloss Bourdeau 2015-k 5-Seyssel Palais Kaulbachstrasse-k

                                      

Die Grafen Seyssel´d Aix  Eine der ältesten Adelsfamilien Savoyens hat einen engen Bezug zu Göggingen. Das Münchner Palais Seyssel beherbergte den späteren Papst Pius XII.

                                         Von Heinz Münzenrieder

 

Göggingen  Er war in Göggingen beliebt und er war auch recht großzügig. Für die Evangelische Dreifaltigkeitskirche spendierte er anlässlich deren Weihe im Jahre 1912 das silberne Taufgeschirr und auch für den örtlichen Veteranenverein hatte er viel übrig. Es geht um Edgar Graf Seyssel d´Aix – wohlbestallter Kämmereibeamter am königlichen Hof zu München -, der um 1900 das herrliche Schlösschen mit dem damals weitläufigen Park am Klausenberg erwarb. 1939 verstarb er und die Gögginger ehrten ihn sogar durch eine Straßenbenennung. Beinahe filmreif ist die Seyssel´sche Familiengeschichte: Alles hat seinen Ursprung im gleich hinter Genf gelegenen idyllisch-verschlafenen französischen Rhonestädtchen Seyssel.

Dort ist zwar nur mehr der Name der Seyssel-Dynastie – deren Wurzeln bis auf die Zeit von Karl dem Großen zurückgehen und die über Hunderte von Jahren engste Beziehungen zum savoy´schen Herrscherhaus hatte – erhalten geblieben. Vor den Toren des Seyssel benachbarten Thermal-Badeorts Aix les Bains – schön am Lac de Bourget gelegen – erinnern aber noch ein herrschaftliches Anwesen und respektable Reste einer mittelalterlichen Burganlage an dieses uralte Adelsgeschlecht. Die Seyssels selbst haben Savoyen längst verlassen. Einzelne Nachkommen leben heute in Italien und Spanien. Und jetzt kommt das Kurfürstentum Baiern ins Spiel: Anfangs des 18. Jahrhunderts wanderte Jean Claude – er nannte sich nach dem Ort seiner Herkunft Seyssel d´Aix – dorthin aus.

 

                              Das Münchner Palais Seyssel ist heute Sitz

                                     des Französischen Kulturinstituts                

 

Er war eines von zehn Kindern und er nahm – da er wohl ansonsten keine ihm entsprechende Fortkommensmöglichkeit gehabt hätte – sein Schicksal selbst in die Hand. Er verließ die angestammte Heimat und diente bald als Kommandeur im bairischen Militär. Schon seine unmittelbaren Nachfahren machten dann im Staatsdienst steil Karriere. Sein Sohn Maximilian Claudius war bereits kurfürstlicher Kämmerer und General. Dessen Nachkömmling Maximilian brachte es zum königlich-bairischen Generalleutnant. Und Maximilians Sohn Edwin – er übte das hohe Amt eines königlichen Kämmerers aus – erwarb 1874 das nach ihm benannte Palais Seyssel d´Aix an der Münchner Kaulbachstraße, in dem 1868 Sohn Edgar das Licht der Welt erblickte.

 Heute ist dort das Französische Kulturinstitut beheimatet. In ihm residierte  1922 – 1925 der Apostolische Nuntius Kardinal Eugenio Pacelli, der spätere Papst Pius XII. Und der Herr Heilige Vater in spe ließ es sich im gräflichen Hause recht gut gehen. Dann schließt sich der Kreis: Edgar Graf Seyssel d´Aix verlässt das elterliche Münchner Palais und zieht nach Göggingen ins zum Verkauf stehende  Schlösschen am Klausenberg. Er ehelichte 1909 Gertrud Freundlich, die später von den Nazis als „Halbjüdin“ verunglimpft wird. Glücklicherweise konnte sie ihre Deportation ins KZ Theresienstadt überleben. Sie verstarb 1965. Die gemeinsame Tochter Comtess Gabriele war dann bis 1981 die Hausherrin im historischen Anwesen am mittleren Klausenberg Und heute dient das Göggingen zierende Palais immer noch Seyssel´schen Nachfahren als Domizil.

 

Bilder:

Wappen:

Das uralte Wappen der savoy´schen Adelsdynastie Seyssel.

Foto: Archives Municipal Aix les Bains

Ort Seyssel:

Idyllisch und ein wenig verschlafen: Das Rhonestädtchen Seyssel. Der Ursitz der Seyssels.

Foto: Heinz Münzenrieder

Seyssel´sche Liegenschaften:

Waren ehedem Seyssel´sche Domizile (v.l.n.r.): Burg Sejeur, von der nur mehr steinerne Zeugen vorhanden sind und Schloss Bourdeau (beide bei Aix les Bains) sowie das heute noch existierende Münchner Palais Seyssel (Archivbild 1920er Jahre).

Fotos: Walter Schließleder

 

Info: Der Autor des Berichts und der mit der Geschichte der gräflichen Familie Seyssel vertraute Walter Schließleder – dessen Großmutter im Hause Seyssel als Erzieherin tätig war – unternahmen eine sommerliche Reise nach Seyssel /Haute Savoie und wandelten dort auf den historischen Spuren der Seyssel.      

Ein Besuch in der Strafjustizanstalt

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Fotos: Helga Eberle

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Fotos: Monika Hatam

Reges Interesse mit über 20 Besuchern fand die Besichtigung des Gögginger Geschichtskreises im Strafjustizzentrum Augsburg. Dr. Karl Huber, Rechtspfleger beim Landgericht Augsburg und Gruppenleiter der Strafabteilung informierte zu Beginn der Veranstaltung im Schwurgerichtssaal des Zentrums über die Aufgaben und die Schnittstellen der Staatsanwaltschaft Augsburg mit den Strafabteilungen des Land-, sowie des Amtsgerichtes Augsburg. 2001 wurde eines der modernsten Straffjustizzentren Bayerns in Göggingen bezogen. Bereits jetzt sind jedoch schon die räumlichen Bedingungen beengt. Vor allem die Säle sind für einige Verfahren, wie Bandenkriminalität mit mehreren Angeklagten und ihren Verteidigern, zu klein. Für diese Verfahren werden nun im 1. Stock zwei zusammengelegte Schulungssäle genutzt. Dr. Huber informierte die Zuhörer, dass im Strafjustizzentrum an der Gögginger Straße ca. 330 Beschäftigte, davon knapp ein Drittel Richter und Staatsanwälte arbeiten. 

Im Anschluss machte Prof. Hubert Schulz, Stadtheimatpfleger und Architekt des Gebäudes deutlich , dass das Baukonzept des Strafjustizzentums für ihn eine neue und besondere Aufgabe darstellte. Das Zentrum ist in zwei große, miteinander verbundene Gebäude aufgeteilt. Ein Trakt mit insgesamt 17 Verhandlungssälen und einer großen Halle im Zentrum. Der andere Teil für die Verwaltung, primär mit Einzelbüros konzipiert. Das Strafjustizzentrum sollte ursprünglich so gestaltet werden, dass es „offen für alle Bürger“ wirkt. Jetzt befindet sich im Eingangsbereich eine Schranke mit Schleuse, die später aus Sicherheitsgründen nachgerüstet werden musste.

Nach der allgemeinen theoretischen Einführung durch Dr. Huber und Prof. Schulz erfuhren die Besucher bei einem Rundgang in den Sitzungssälen der oberen Stockwerke, welche Überlegungen sich hier architektonisch widerspiegeln. Zum Beispiel liegen die Fenster gegenüber den Sitzplätzen der Beschuldigten und eine rechteckige Deckenbeleuchtung aus Glaselementen  ist über dem Zeugenbereich angebracht.

Anschließend konnte die Gruppe einen Blick in die interne Bibliothek und einem Vernehmungszimmer werfen. Die Technik im Strafjustizzentrum ermöglicht es, Zeugenaussagen aus diesem Zimmer, oder auch aus dem Ausland in den Schwurgerichtssaal zu übertragen.

Ein Außenrundgang, in der die Gruppe eine kleine Brücke innerhalb der Anlagen entdecken konnte, rundete die Informationsveranstaltung ab.

Bericht: Monika Hatam

Eine Reise zu den Römern und zu Erich Steinacker’s Vermächtnis

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3 Bilder Alvaro Mones, 1 Bild Martin Eberle

TAGESFAHRT  des Gögginger Geschichtskreises

Dieses Jahr bot der Gögginger Geschichtskreis wieder eine Tagesfahrt an, organisiert von Frau  Dr. Ursula Kühl de Mones.  Der Ausgangspunkt war,  es den 40 Teilnehmern – Mitgliedern und Nichtmitgliedern –  zu ermöglichen, zwei  der Programmpunkte aus den vergangenen Monaten wieder aufzugreifen und zu erweitern:

 Dr. Sebastian Gairhos hatte über die "Römer in Göggingen" referiert, und so bot sich ein Besuch in den Römischen Thermen von Weißenburg an.  Der Ausgrabungskomplex ist seit 1983 überdacht und zu einem Museum ausgebaut. Bei der  ausgezeichneten Führung durch die Anlage erfuhr man viel über die Geschichte der verschiedenen Bauphasen, über  die technischen Fertigkeiten der Römer, aber auch  über die gesellschaftliche  Funktion der Thermen, dienten sie doch nicht nur den Soldaten sondern auch der Zivilbevölkerung zu Hygiene, Sport und  Unterhaltung. 

Ein zweiter Anlass zum Ausflug ergab sich bei einer Besichtigung der Kapelle zur Schmerzhaften Mutter Gottes in Göggingen, bei der Frau Dr. Adelheid Riolini ganz besonders auf die Skulptur des Engels von Erich Steinacker aufmerksam  gemacht hatte, was die Neugier weckte, auch andere Werke des Künstlers kennen zu lernen. Deshalb nun ein Besuch seiner Sammlung im Museum für Zeitgenössische Kunst  im Schloss Spielberg, wo  der Künstler bis zu seinem Tode gelebt und gewirkt hatte. Ein Teil seiner Familie  lebt noch heute dort, und so kam es dazu, dass uns sein Sohn, Herr Veit Spielberg,  auf dem Schloss empfing.  Außer den Gärten und der Kapelle zeigte er  uns die wirklich beeindruckende Sammlung  der Kunstwerke seines Vaters, verteilt auf 4 Stockwerke des Schlosses.  

Eine Stadtführung in Gunzenhausen und ein Rundgang durch Wemding ergänzten die historischen und künstlerischen Eindrücke des Tages.

Text: Dr. Ursula Kühl de Mones

Besuch beim Familienzentrum Sternstunden in Göggingen

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Pressebericht –

Gögginger Geschichtskreis im Familienzentrum Sternstunden

Friedrich-Ebert-Str. 12, 86199 Augsburg-Göggingen

 

Beeindruckende Arbeit für Kinder, Eltern und Familien

27 Interessierte besuchen mit dem Gögginger Geschichtskreis das Familienzentrum Sternstunden der St.-Gregor-Kinder- Jugend- und Familienhilfe

„Passgenaue Hilfen für Kinder und Familien bieten ist das Ziel der Einrichtungen im Familienzentrum Sternstunden“, so die Leiterin des Familienzentrums Marie Bettine Lamey.

Das moderne Haus, nun ein Jahr in Betrieb vereint mehrere  Wohngruppen, speziell auf die Bedarfslage der Schützlinge abgestimmt:

Die Klärungs- und Zwischenzeitgruppe „Nest“ ist eine 7-Tage-Wohngruppe für Kinder zwischen 2 und 10 Jahren. Dort können Kinder ohne ihre Eltern leben, bis die Situation in der Familie geklärt ist. Ziel ist es, die Elternkompetenzen zu stärken, damit die Kinder wenn möglich in ihre Familen zurückkehren können. Die neue Situation wird Schritt für Schritt geprobt, um zu testen, ob die neu aktivierten Ressourcen der Eltern beständig und zuverlässig sind.

In der Eltern- Kind-Klärungsgruppe lebt meist ein Elternteil mit Kindern bis zu 6 Jahren,  die Familiensituation wird stabilisiert und Krisenzeiten überbrückt. Die Eltern verpflichten sich dabei zur aktiven Mitarbeit im Elternkompetenztraining, es gibt feste Tagesabläufe.

Für Kinder mit Entwicklungsrückständen ist die Heilpädagogische Tagesstätte eingerichtet.  Diese kann Verzögerungen im Spracherwerb, im Sozialverhalten oder mit Beziehungs- und Wahrnehmungsstörungen korrigieren. Die Kinder sind im Kindergartenalter, d.h. in der Regel zwischen 3 und 6 Jahre alt. Die Kinder werden individuell gefördert, die Gruppe ist sehr klein, um eine gute pädagogische Arbeit zu ermöglichen.

Marie Lamey erläuterte den interessierten Teilnehmerinnen und Teilnehmern auch die Geschichte der Katholischen Waisenhaus-Stiftung sowie der St.-Gregor-Jugendhilfe. „Die Geschichte reicht ja fast 500 Jahre zurück und hat sich immer für Benachteiligte eingesetzt. Die heutige Arbeit ist die logische Folgerung aus den aktuellen Herausforderungen.“

Bei der anschließenden Besichtigung des Gartens und der Kindertagesstätte zeigten sich die Teilnehmer beeindruckt von der freundlichen Gestaltung und den tollen Materialien „Da möchte man doch wieder Kind sein“, waren sich viele einig.

Bericht: Toni Resch

 

Gögginger Jugendstil im Trentino

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Leo Eichleitner

  • Wirkte von 1888 bis 1917 als Bürgermeister. Er war darüber hinaus Glasermeister und   kunstsinniger Glasmaler, der sich dem Jugendstil verschrieb.
  • Unter seiner Amtszeit entwickelte sich Göggingen zur Industriegemeinde.  Die Bevölkerung stieg von knapp 3000 auf über 7000 Einwohner.   
  • Beim Besuch der Delegation des Gögginger Geschichtskreises in Eichleit überreichten Herbert Miehle, Heinz Münzenrieder und Wolfgang Schneider dem Fersentaler Kulturinstitut eine von Helga Eberle erarbeitete Bilddokumentation über die Eichleitner´schen Glasmalerarbeiten.

Ein großherziger Bürgermeister: Leo Eichleitner fertigte eigenhändig die Jugendstilfenster für das Bergkirchlein im trentinischen Eichleit und schenkte sie der Gemeinde.

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Eichleit Kapelle 3

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Bilder: Sammlung Münzenrieder

Gögginger Jugendstil im Trentino   

Spurensuche  Bürgermeister Eichleitners Vorfahren wanderten aus Welsch-Tirol zu. 1912 fertigte und schenkte er dem Ort seiner Vorfahren die Kirchenfenster
Von  Heinz Münzenrieder

Göggingen Einige Mitglieder des Gögginger Geschichtskreises gönnten sich vor einigen Wochen eine Exkursion ins italienische Trentino und wandelten dort auf den Herkunftsspuren des von 1888 bis 1917 verdienstvoll in Göggingen amtierenden Bürgermeisters Leo Eichleitner. Dass dessen Vorfahren vor über  zweihundert Jahren aus einer der heutigen deutschen  Sprachinseln des früher zur Donaumonarchie gehörenden Welsch-Tirol – nunmehr das italienische Trentino –   in mehreren Generationsschritten hier zuwanderten, war schon immer bekannt. Und ebenso, dass  Ausgangspunkt dieser Migration der kleine Weiler Eichleit ist, der neuerdings diese deutsche Bezeichnung neben der italienischen Benennung Roveto sogar amtlich führt.

Herrlich gelegen ist dieser Flecken hoch oberhalb des Fersentales und mit Blick auf die Brenta-Dolomiten. Nach einer etwas beschwerlichen  Fahrt gelangten die Geschichtsfreunde von der Singold zum ersehnten Zielort  mit dessen idyllisch gelegenem Kirchlein und staunten: In einer der drei bunten und von reinem Jugendstil geprägten Fensterscheiben ist in deutscher und italienischer Sprache die Inschrift „Gestiftet von Bürgermeister Leo Eichleitner aus Göggingen in Bayern“ angebracht und dies versehen mit der Jahreszahl 1912.

Die Not trieb die Bergbauern in die Fremde

Des Rätsels Lösung: Der Bürgermeister war  auch Glasermeister und anerkannter Glasmaler und  hatte noch Verbindung zur alten Heimat. Und die kunstvoll gefertigten Fenster sind ein Präsent des großherzigen Gemeindeoberhaupts an den Herkunftsort seiner Vorfahren! Arg beschwerlich wird der Transport der Kostbarkeiten schon  gewesen sein. Auch konnten die Gögginger Geschichtsfreunde in Erfahrung bringen, dass nur mehr in einigen abgelegenen Gemeinden des Fersentales – zu denen Eichleit gehört – ein etwas schwer zu verstehendes Bairisch gesprochen wird. Mit staatlicher Unterstützung entstand jetzt im Fersental sogar ein Kulturinstitut, das sich den deutschsprachigen Wurzeln des Tales annimmt.

 Es waren nämlich Bergwerksknappen aus Baiern, die um 1300 vom Trienter Bischof angeworben wurden und aus denen dann nach Schließung der Eisen- und Silberbergwerke  Bergbauern mit  bescheidenen Anwesen wurden. Es war die Not, die diese  Bergbauern in die Fremde trieb. Gerade in den hintersten und von der Sonne nicht verwöhnten Talgründen war nur ein recht armseliges Leben zu fristen. Deshalb nahmen die Eichleitner´schen Vorfahren ihr Schicksal selbst in die Hand und wanderten Ende des 18. Jahrhunderts aus.  Und gleichsam als Referenz vor der alten Heimat nannten sie sich nach dem Ort ihrer Herkunft. Es waren übrigens nicht die Schlechtesten, die damals den beschwerlichen Gang in die ungewisse Fremde antraten. . .

 

Die Römer in Göggingen

Roemer-GeirhosDr. Sebastian Gairhos, aufgenommen von Toni Resch

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linkes Bild: Spätrömischer Grabfund aus der Zeit um 400 n.Chr. Fundort: Gögginger Straße beim Bürgerbräu. Aufnahme: Stadt Augsburg

rechtes Bild: Bronzebeschläge eines spätrömischen Militärgürtels (4. Jh. nach Christus). Fundort: Bayerstraße. Aufnahme: Stadt Augsburg

Sebastian Gairhos beim Gögginger Geschichtskreis am 17.3.2015

Die Römer in Göggingen

Der Archivraum des Geschichtskreises war wieder voll besetzt:

 

Der Leiter der Augsburger Stadtarchäologie Sebastian Gairhos berichtete über Gögginger Frühgeschichte aus dem Blick auf die Römerzeit bis zum 5. Jahrhundert n.Chr.

„Jedes Jahr verdichtet sich aufgrund von aktuellen Grabungsfunden unser Bild über die Frühzeit in Augsburg“, bestätigte Gairhos die Erfolge der Daueraufgabe Archäologie. Dass  Augsburg mit 70 Hektar Siedlungsgröße und bis zu 15.000 Einwohnern die weitaus größte Römersiedlung in Bayern war, sei mittlerweile bekannt. Auch erscheine es nachvollziehbar, dass die fruchtbare Lößhochfläche zwischen Lech und Wertach den Hauptteil der landwirtschaftlichen Versorgung mit Siedlungen am Rande aufnehmen musste. Lebensader des römischen Alltagslebens war weniger die bekannte Via Claudia sondern vielmehr der Römerkanal, der etwa 35km flußaufwärts bei Großkitzighofen von der Singold abzweigte und bis in die Gegend von Heilig-Kreuz in die Römerstadt führte. Mit einer zuverlässigen Wasserführung von gut 1000 Litern pro Sekunde war das Wasser als Brauchwasser und Treibmittel gut geeignet und diente auch als Viehtränke. Das Wasser für Lebensmittel wurde aus Brunnen gewonnen, da bereits damals die hygienischen Erkenntnisse Oberflächenwasser als minderwertig einschätzten. Wegen der geografischen Zwangslage zwischen den unberechenbaren Gebirgsflüssen musste die Singold, die damals mehr Wasser führte, eine frühzeitliche Siedlungsachse bilden. Bemerkenswert sei der Lebensstandard gewesen: Atlantikaustern, Wein aus Rhodos Olivenöl und bunte importierte Glasgefäße zeugen vom Leben der reichen Oberschicht.. Der Singoldkanal war auch die frühe „Mühlenstraße“ – das Handwerk und die Nahversorgung der Provinzhauptstadt verlangten ein ausgeklügeltes System, das die Römer mit groß angelegten Gutshöfen gut organisiert hatten.

Mit neuen Grabungserkenntnissen aus der Ansiedlung Premium Aerotec und dem Stadionbau oder bei Hosokawa-Alpine und beiderseits der Gögginger Straße sei der Verlauf von Kanal und Besiedlung immer deutlicher erkennbar, wenn auch Stichkanäle, Verlegungen und laufende Reparaturen die Vorstellung einer statischen Einrichtung über 400 Jahre nicht vermuten lassen. Man dürfe annehmen, dass alle 40 Jahre grundlegende Reparaturen und Umbauten nötig waren, das zeigten geologische Feinuntersuchungen mit Altgerinneabschnitten und Ableitungen, deren zeitliche Einordnung nur annähernd möglich sei.

Gairhos berichtete, dass mit der Verlegung des Archäologie-Magazins in das AKS-Gelände von den über 1000 Steindenkmälern ein weitaus höherer Anteil der Öffentlichkeit zugänglich werde. „Augsburg hat um ein 20-faches mehr zu bieten als andere Römerplätze, die aber mehr Wind um ihre Funde machen“, kündigte Gairhos auch „Werkstattführungen“ an. Man müsse festhalten, dass das römische Reich von Schottland bis zum Tigris reichte, Raetien bildete eine Provinz mit Augsburg als Zentrum.

Gairhos sagte zu, am 13. Mai mit dem zweiten Teil der Ausführungen die Erkenntnisse über die Römerzeit in Göggingen mit neuen Bildern zu vertiefen.

Jahreshauptversammlung 2015 mit Neuwahlen

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Jahreshauptversammlung und Neuwahlen im Gögginger Geschichtskreis

Der Gögginger Geschichtskreis hatte am 4. Februar zu seiner Jahreshauptversammlung im Gemeindesaal der evangelischen Dreifaltigkeitskirche geladen. Nach einem Rückblick über die Aktivitäten des Jahres 2014 fanden die Neuwahlen statt:

Zum 1. Vorsitzenden wurde wieder Toni Resch gewählt,  seine Stellvertreter sind auch in Zukunft Claudia Eberle und Dr. Florian Freund. Schriftführerin bleibt Dr. Ursula Kühl de Mones, und auch die Schatzmeisterin Monika Hatam verbleibt in ihrer Funktion. Vier langjährige Beisitzer zogen sich zurück. Die neuen Beisitzer sind:  Albert Bader, Martin Eberle, Ingrid Fink, Gottfried Mayer. Das Archiv ist weiterhin in den Händen von Robert Gerald.

Das neue Jahresprogramm für 2015 liegt bereits überall in Göggingen aus und sieht wieder zahlreiche Aktivitäten draußen und drinnen vor, zu denen auch Nichtmiglieder herzlich willkommen sind.

Text: Dr. Ursula Kühl de Mones

Foto: Claudia Eberle

 

Das Foto zeigt von links nach rechts:

Der neue Vorstand

Claudia Eberle, Toni Resch, Martin Eberle, Robert Gerald, Monika Hatam, Gottfried Mayer, Dr. Florian Freund, Albert Bader, Dr. Ursula Kühl de Mones

Krippenbesuch bei „Weihnachten ist präsent“ im Diözesanmuseum

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Präsent

„Weihnachten ist präsent“ lautete der Titel einer Ausstellung im Augsburger Diözesanmuseum. Nachdem sich unter den Ausstellungsstücken eine Reihe von Krippen aus Gögginger Privatbesitz befand, war dies für den Gögginger Geschichtskreis ein Anlass zum Besuch. Vor allem aber hatte Museumsleiterin Melanie Thierbach das Museumsdepot nach geeigneten Objekten durchsucht und dabei Kunstwerke zutage gefördert und – teilweise erstmalig – ans Licht der Öffentlichkeit gebracht. Ihre Absicht, die im Vorwort des gut und reich bebilderten Katalogs nachzulesen ist, war es, anhand von Gemälden, Skulpturen und Grafiken den ikonografischen und theologischen Gehalt von Weihnachten im Laufe der Jahrhunderte aufzuzeigen. Entsprechend dem Ablauf der Liturgie wurden also die Verkündigung an Maria, Mariä Heimsuchung, die Anbetung der Hirten, die Anbetung der Könige, der Bethlehemitische Kindermord, die Flucht nach Ägypten, die Darbringung Jesu im Tempel und Jesu Beschneidung gezeigt.

Sechzehn Kulturinteressierte des Geschichtskreises fanden sich ein, um der fachkundigen und kurzweiligen Führung ihres Mitglieds Peter Riolini zu folgen. Anhand der überragenden Beispiele aus der Hochkunst und höchst qualitätvoller Zeugnisse der Volkskunst gab Riolini Einblick in mannigfaltige kulturhistorische Bezüge, wie Jesuitenkrippen, barocke südspanische Krippenkunst, sizilianische Elfenbeinschnitzereien, Südtiroler Krippenschnitzkunst des 18. Jahrhunderts, Mehrschichten-Hinterglasbilder, handgemalte Papierkrippen aus dem Biedermeier, den Heischebrauch der Tragekrippen bis hin zu Laubsägekrippen im Nazarenerstil und einer heutigen Krippe, in der sich die Randexistenzen unserer Gesellschaft um die Krippe scharen.

Text: Peter Riolini

Fotos: Alvaro Mones